Die Neujahrsempfänge der erst vor 40 Jahren gegründeten Gemeinde Ursensollen haben immer einen ganz besonderen Charakter. Wie schon bei den neun Empfängen in der Grundschule zuvor, galt auch im Jahr 2012 das Treffen zum Jahreswechsel allein dem Dank und der Anerkennung der Bürger, der in der Gemeinde ehrenamtlich Tätigen, den Unternehmern, Kommunalpolitikern und Kirchenvertretern, eingebettet in ein abwechslungsreiches Programm aus Musik und geselligem Verweilen.
Der Neujahrsempfang dient Bürgermeister Franz Mädler auch, Rechenschaft abzulegen über die Entwicklung der Gemeinde und anstehende Aufgaben und Probleme anzusprechen. Und immer hat Mädler einen Bürger dabei, der besondere Anerkennung verdient hat. In diesem Jahr war es die junge Leichtathletin Anja Schneider. Sie errang bei den Bayerischen Meisterschaften im Laufen über 800 Meter Silber, über 1500 Meter die Goldmedaille und bei der Deutschen Meisterschaft über 3000 Meter einen respektablen siebten Platz.
Seit 13 Monaten gibt es in der Gemeinde die "Helfer vor Ort" des BRK. Über 40 Einsätze hatten sie in der Zeit abzuleisten. In Anerkennung für das lebensrettende Ehrenamt überreichten Mädler und Gemeinderat Horst Lihl den Helfern einen Defibrillator.
"Ihr macht unsere Gemeinde erst zu der lebens- und liebenswerten Heimat, die sie ist", rief Mädler den Gästen in seiner Neujahrsansprache zu. Oft wisse man das Ehrenamt nicht richtig zu schätzen. Darum müsse immer wieder ins Bewusstsein gerückt werden, "dass es nicht selbstverständlich ist, dass sich Hunderte von Feuerwehrfrauen und -männer der Hilfe in Notfällen verschrieben haben, dass uns Hunderte von Ehrenamtlichen fast alle Freizeit-, Kultur- und Sportangebote ermöglichen und dass unsere Vereine ein beispielhates Programm für unsere Kinder erstellen und unser Seniorennetzwerk auch die Älteren in das Gemeindeleben einbindet."
Aus kommunaler Sicht blickte Mädler "in Dankbarkeit" auf ein schwieriges Jahr 2011 zurück. Trotzdem habe man große Ziele erreicht: Die Mittelschule ist fest etabliert, das Baugebiet mit 44 Bauplätzen fertig gestellt, das "Hausener Tal" mit schnellem Internet versorgt, die ehemalige Hauptschule energetisch saniert und im Umbau zu einem Kulturzentrum.
Als Zukunftsthemen stellt er Bildung, Wirtschaft, Energie und den demografischen Wandel ins Zentrum. In der Bildung sei die Gemeinde "hervorragend" aufgestellt, von der Großtagespflege, den zwei Kindergärten, Grund- und Mittelschule und Ganztagsschule bis zur Bücherei. In den letzten zehn Jahren habe man rund zwölf Millionen Euro in Bildung investiert.
Gut aufgestellt sei man mit zwei Gewerbegebieten auch beim Thema Wirtschaft. Mädler dankte allen Unternehmern für ihre Standorttreue. Ursensollen habe eine hervorragende, wirtschaftlich strategische Lage. "Das interkommunale Gewerbegebiet zusammen mit der Stadt Amberg ist das Tor zu einer wirtschaftlich gestärkten Zukunft." Es biete die Chance, zu einem ernst zu nehmenden Teil der Metropolregion Nürnberg zu werden.
Zum Thema Energie begrüßte der Bürgermeister den Ausstieg der Bundesrepublik aus der Atomenergie. Ursensollen zähle - hinter Hohenburg und Kastl - bereits zur Spitzengruppe der Landkreisgemeinden bei der Erzeugung von regenerativer Energie. Das Zeitfenster, den Umbau zu erneuerbaren Energien umzusetzen, werde nicht lang offen sein, gab Mädler zu bedenken. Darum müssten nun die Chancen genutzt werden.
Mit zahlreichen Programmen und Maßnahmen wie dem "Seniorennetzwerk" will die Gemeinde auch weiterhin den demografischen Wandel als Chance nutzen, "damit unsere älteren Mitbürger sich möglichst lang aktiv einbringen können, dass sie uns mit ihrer Erfahrung und Lebensweisheit bereichern." Dazu müssten seniorengerechte, barrierefreie Wohnmöglichkeiten angeboten werden. Zur Lebensqualität einer Kommune zählte für Mädler auch das kulturelle Angebot.
"Die großen Rahmenbedingungen wie die allgemeine wirtschaftliche Lage können wir nicht ändern. Wichtig ist, dass die große Politik erkennt, dass unsere Städte und Gemeinden die Grundlagen des Landes sind. Die Kommunen müssen finanziell besser gestellt werden, die Eigenverantwortung gestärkt und die Verantwortlichen ernster genommen werden. Ein Beamter in München darf nicht bestimmen, wo in der Gemeinde eine Freiflächen-Fotovoltaikanlage gebaut werden darf. Die Regierungen in München und Berlin dürfen nicht versprechen, was die Kommunen dann selber bezahlen müssen", richtete Mädler seinen Schlussappell an die anwesenden Abgeordneten. Denn: "Allein von Schlüsselzuweisungen leben zu müssen, das kann nicht die Zukunft der Kommunen sein." Und so will Mädler auch dieses Jahr mit "Mut, Gottvertrauen und Optimismus unbeirrt weiter gehen."